Sella Ronda: Licht und Schatten

Warum auch immer, bisher bin ich die Sella Ronda jedes Mal im Uhrzeigersinn gefahren – und war damit zufrieden. Landschaftlich ist die Runde einfach etwas Besonderes, ständig wechseln die Perspektiven auf die einmaligen Felsklötze der Dolomiten und wer die Runde nicht im Akkord bewältigt, sondern sich Zeit nimmt für die eine oder andere Zusatzabfahrt, der muss einfach begeistert sein.

Warum auch immer, diesmal wollte ich die Runde mal gegen den Uhrzeigersinn fahren – und war schon kurz nach dem Start in Corvara genervt. Gut, der Abstecher ins Edelweißtal, war schöner als gedacht, aber eher wegen der Kulisse und der Sonne. Doch das Gezuckel mit den Liften zum Grödner Joch nervt einfach. Man benötigt bis oben fünf Lifte, muss die Ski ausziehen, dazwischen für einen kurzen Sessel wieder anziehen, dann wieder für die Gondel ausziehen usw. Und die Gondelbahn mit ihren Alibisitzen, die gerade mal Platz für eine halbe Pobacke bieten und man dann doch lieber steht, weils bequemer ist. Warum gibt es hier eigentlich so viele von diesen unpraktischen Dingern?

Endlich oben angekommen wechselt man buchstäblich vom Schatten ins Licht und freut sich über die geniale Abfahrt nach Wolkenstein. Die war morgens perfekt zu fahren – und auch das Geschlängel zwischen den Häusern von Wolkenstein zur Talstation der Gondelbahn Ciampinoi ist wie die Ampel für die Skifahrer irgendwie witzig.

Vier Lifte benötigt man für das Bergauf zum Sellajoch, das ist ok, auch weil die Lifte hier etwas moderner sind. Die kurzen Zwischenabfahrten sind dagegen fast schon etwas zu eisig, da wären bessere Kanten durchaus hilfreich gewesen. Der Wechsel zum Pordoijoch verläuft zügig und ja, hier sollte man noch ein paar Zusatzabfahrten auf den schönen Hängen unter dem Belvedere einlegen. Genauso wie unter der Porta Vescovo, die viele auf der Sella Ronda rechts liegen lassen. Wäre schade, denn die durchaus sportlichen Pisten sind bestens präpariert und präsentieren sich selbst nachmittags noch wunderbar griffig.

Perfekt gelöst ist seit einigen Jahren der Wechsel auf die Sonnenseite von Arabba dank einer kurzen Verbindungssesselbahn, die den kurzen, wenn auch oft sehr rutschigen Fußmarsch durch den Ort ersetzt. Über den Passo Campolongo geht es zurück nach Corvara, wobei man sich mit Erreichen des Skigebietes von Alta Badia wundert, warum hier auf einmal wieder eher betagte, fixgeklemmte Sesselbahn Warteschlangen an den Liften geradezu provozieren. Die waren natürlich noch überschaubar, doch mit Blick auf den zu erwartenden Ansturm in den Weihnachtsferien möchte ich da nicht unterwegs sein.

Natürlich war die Sella Ronda insgesamt wieder ein Genuss. Mit etwas Abstand muss man aber festhalten, dass trotz des einen oder anderen in den letzten Jahren gebauten Liftes – besonders positiv fallen hier Arabba und die Lifte von Plan de Gralba zum Sellajoch auf – viel Nachholbedarf besteht. So viele fixgeklemmte oder „alte“, kuppelbare Vierersesselbahnen, an denen die Leute schon vor Weihnachten anstehen mussten, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Abgesehen davon, nächstes Mal fahre ich die Sella Ronda wieder im Uhrzeigersinn, für mich definitiv die bessere Richtung.

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Alta Badia: Start zur Sella Ronda.
Abstecher ins Edelweißtal.
Auf dem Weg zum Sellajoch begeistert der Blick auf die Sella.
Abfahrt vom Belvedere nach Arabba.

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