Hochfelln: Ein Skiberg mit Charakter

Es gibt sie noch, die Skigebiete ohne Schneekanonen, Achtersesselbahnen und Schirmhalligalli. Einer von diesen rustikalen Skibergen, auf denen die Ski noch nich von selber fahren, ist der Hochfelln im Chiemgau. Wir haben ihn am vergangenen Freitag besucht.

Nur am Wochenende geöffnet

“Heute geöffnet” steht an der Talstation. Das ist am Hochfelln keine Selbstverständlichkeit. In Betrieb genommen wird die nicht mehr ganz junge Großgondel während der Wintersaison nämlich nur freitags und am Wochenende. Das ist freilich nicht die einzige Schrulle des Gebiets. Wer sich für den markanten Skiberg oberhalb von Bergen im Chiemgau entscheidet, der tut gut daran, bei der Anfahrt öfter auf die Uhr zu schauen. Denn die Gondelbahn, Lebensader des Gebiets, fährt nur zur halben und vollen Stunde los.

Das hat einen einfachen Grund. Es gibt am Hochfelln keine Talabfahrt. Wenigstens keine bis zur Talstation. Der Skibetrieb konzentriert sich auf die obere der beiden Sektionen. Dort pendelt die Gondel dann auch jede Viertelstunde.

Als Skiberg ein echter Geheimtipp

Als Skiberg bleibt der Hochfelln trotzdem ein echter Geheimtipp – allerdings nur für wirklich sichere Skifahrer. Von der Bergstation geht es über den kurzen, knackigen Gipfelhang, die steile „Mulde“ und den herzhaften „Kleinen Treffer“ hinunter zu den sanften Skiwiesen an der urigen Bründling-Alm. Wem das noch nicht genug Herausforderung ist, der wählt bei der nächsten Fahrt die grimmige und natürlich ungespurte Feuerköpfl-Route Nr. 4 rechterhand der Gipfelstation und danach die Buckelpiste des „Großen Treffer“ – dorthin kommt man, wenn man sich nach der „Mulde“ links hält.    

Wie man es auch dreht: Insgesamt bleiben sämtliche Varianten der einzigen Skiabfahrt anspruchsvoll – auch wenn die Piste gut gepflegt wird und der kleine Treffer durch eine Traverse leidlich entschärft ist. Einzige Option für eher gemütliche Ski-Genießer ist die einfache, aber kurze Piste samt Schlepplift bei der Bründling-Alm.

Toller Aussichtsberg

An deren Bergstation zweigt auch die (inoffizielle) Talabfahrt ab, die freilich nur bei sehr guter Schneelage möglich ist, dann aber ein beschwingter Genuss, der nach drei Kilometern am ehemaligen Gasthaus Kohlstatt endet. Wer da landet, der muss Glück haben, dass ihn ein  Tourengeher mitnimmt. Sonst bleibt nur noch, das Taxi zu rufen oder die Ski für einen einstündigen Marsch zu schultern.

Insgesamt bleibt das große Plus des Hochfelln, dass er eine wirklich hochalpine Szenerie hat und  zudem ein toller Aussichtsberg ist. Wo sonst hat man gleichzeitig diesen Paradeblick auf Chiemsee und Alpenkette?  Beides lässt sich wunderbar bei einer Brotzeit in der Sonne vor dem Hochfellnhaus genießen. Gleich neben der Bergstation tischt Wirtin Evi Maier selbstgebackenes Brot auf und danach ihr hochprozentiges „Holunderwunder“.

Holunderwunder am Hochfellnhaus

Als Schwachpunkt muss man zählen, dass es eigentlich nur die Wahl zwischen der schwarzen Abfahrt und der noch schwereren Tourenvariante gibt. Aber wen stört das, wenn er dafür bei einem frischen Weißbier am Hochfellnhaus sitzen kann und darüber sinnieren, ob das dahinten wirklich der Großvenediger ist wie versprochen? Egal. Eine Genugtuung ist es allemal, dass abseits der großen, glattgebügelten Skigebiete einige knorrige Individuen wie dieser Skiberg überlebt haben. Hoffentlich noch lange.

Tipp: nach dem Skifahren lohnt ein Stopp im witzigen Bergener Dorfladen “Ladenbergen”, der sogar dem Bayerischen Rundfunk schon eine Sendung wert war: www.br.de

(hwr)

 

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2 thoughts on “Hochfelln: Ein Skiberg mit Charakter

  1. Toller Bericht. Vielen Dank. Nur mit den Fahrzeiten, das stimmt leider nicht ganz. In den Weihnachts- und Faschingsferien fahren wir nämlich jeden Tag durchgehend. Und: wenn oben viel Betrieb ist fährt die Gondel natürlich öfter als jede viertel Stunde.
    Viele Grüße
    Wolfgang Helldobler
    Hochfelln-Seilbahn Bergen

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